Potpourri aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Wer vom alten Festungsberg mit seinem historischen sternförmigen Fort auf Halifax hinunterschaut, erblickt die älteste britische Siedlung Kanadas, ehemals eine raue Garnisonsstadt, vollgestopft mit windigem Gesindel, leichten Mädchen, Soldaten und Seeräubern. Und er sieht eine weltoffene, junge Stadt, die sich voller Begeisterung stets neu erfindet und nicht nur in Kanada zu den Trendsettern in punkto Mode, Lifestyle und Nachtleben zählt.
Die Hauptstadt der Provinz Neuschottland, in der etwa 450.000 Haligonians, wie sie sich selbst nennen, wohnen, ist eine freche Mischung aus sagenumrankter Seefahrerstadt mit charmantem historischen Ambiente und maritimem Flair, gepaart mit einem modernen, lebenshungrigen Mischmasch Kulturschaffender, Studenten und Lebenskünstlern.
Die Geschichte von Halifax
Kein Wunder, war Halifax doch seit jeher das Einfallstor für Auswanderer aller Herren Länder, die in Kanada ein neues Leben beginnen wollten. Mehr als eine Million Menschen betraten allein im 20. Jahrhundert die zukünftige Heimat an Pier 21. Heute erinnert dort ein vielfach preisgekröntes Museum an ihre Geschichte und vermittelt ein multimediales Bild von den Hoffnungen und Schwierigkeiten der Neu-Kanadier.
Das „In-Viertel“ Halifax’ erstreckt sich zwischen dem „Grand Parade“ und den alten Hafengebäuden. Ersteres, der Hauptplatz von Halifax, mit der schneeweißen „St. Paul’s Church“ von 1750, verströmt einen packenden Eindruck vergangener Zeiten. Die altenglischen Backsteinbauten, die den Platz umstehen, darunter der Regierungssitz, führen zurück ins 19. Jahrhundert.
Ausgehmöglichkeiten in Halifax
Der „Grand Parade“ ist heute ein beliebter Treffpunkt, ebenso wie die vielen Cafés, Restaurants und Boutiquen im Hafenviertel, den „Historic Properties“. Das Gelände versprüht den Charme der Seefahrt vergangener Zeit – die nicht immer romantisch zuging: Zwischen den engen Gassen und restaurierten Lagergebäuden machten einst „press gangs“ ihre Runden, skrupellose Banden, die volltrunkene Seeleute für Kopfgeld „shanghaiten“. Wieder nüchtern fanden sich die Matrosen an Bord von Seelenverkäufern auf hoher See. Ohnehin ging es in Halifax einst grobschlächtig zu, war hier doch einer der Hauptstützpunkte der „Privateers“, im Namen der britischen Regierung fahrender Seeräuber, die ihre Beute in den Lagerhäusern der „Historic Properties“ unterbrachten.
Aber auch nach den Freibeutertagen machten die Haligonians von sich reden, wovon sich Interessierte im „Maritime Museum of the Atlantic“ überzeugen können. Berühmt waren sie für ihre Schiffsbaukunst, von der die „Bluenose II“ im angrenzenden Hafenbecken einen Eindruck vermittelt. Der Vorgänger, die „Bluenose“, war in den 1920ern der schnellste Segler der Welt, eingesetzt zum Fischfang vor Neufundland – und die 18 Knoten Spitzengeschwindigkeit sieht man dem eleganten Schoner auch ohne nautische Kenntnisse an.
Die Atlantikküste
Auch wenn die Umgebung mit ihren Fischerdörfern, schroffen Küsten, stillen Buchten und wunderschönen Stränden, die über eine Reihe herrlicher Landstraßen zu erreichen sind, den Eindruck vermittelt, dass sich hier alles um den Atlantik und die Schifffahrt dreht, gibt es noch weit mehr: Gerade die Studenten der sechs Universitäten erfüllen Halifax mit einem bunten Potpourri von Kulturevents, Live-Musikveranstaltungen und Festivals. Das Berühmteste jedoch ist ein traditionsreiches: Das „Nova Scotia International Tatoo“ ist eine jährliche Militärparade, die mit tausenden von Dudelsackspielern auch pazifistisch gesinnten Besuchern Freude bereitet.
Halifax ist eine spannende Mischung aus Menschen, Kulturen und Geschichten, die allem voran eines zu bieten hat: Einen nicht endenden Abwechslungsreichtum in begeisterndem Ambiente.